Bio – die verratene Idee

Irgendwann hatte ich mich gefreut, dass Bio in einer EU-Norm Gesetz geworden war. Endlich, dachte ich, hat die Idee ihren europaweiten Durchbruch geschafft. Übersehen hatte ich, dass Gesetze den Geist einer Idee zu Paragraphen verknöchern. Und den ursprünglichen Geist angreifbar, ja missbrauchbar machen. Denn natürlich kann sich alles, das sich an den Buchstaben des Gesetzes hält, auch auf dessen ursprünglichen Geist berufen – ohne ihm auch nur nahe zu sein. Warum also sollte das bei Bio anders sein?!

Ein solcher Effekt ist ja schon schlimm genug, wird uns aber dennoch als „Verbraucherschutz“ verkauft. Doch damit nicht genug. Ist eine Firma groß und clever genug, den Buchstaben des Gesetzes zu entsprechen und zugleich seine Lücken zu nutzen, darf sie uns dennoch mit dem „Bio-Label“ an der Nase herumführen. Wie aber, wenn die Strafen bei Missbrauch nicht effektiv genug sind und nur lässig kontrolliert wird. Dann lohnt sich sogar der Gesetzesbruch. Bio-Eier dürfen zum doppelten Preis verkauft werden. Wer dann nur alle paar Jahre erwischt wird, der zahlt sein Bußgeld vermutlich aus der Portokasse.

In Sachen Eier gilt konsequenterweise: Bio-Eier nur noch Bauern kaufen, die sich von Anbauverbänden wie Bioland, Demeter oder Naturland zusätzlich kontrollieren lassen.

Ökoligenta – ein neuartige Veranstaltung

Die ökoligenta wird ein Event, wie es ihn so noch nicht gegeben hat: Grüne Messe + Kunsthandwerkermarkt + Festival + Treffpunkt der Wandelbewegung. Und das ist gut in diesen bewegten Zeiten:

Denn Trump erzeugt Aufbruchstimmung. Wie ein Magnet auf Eisenspäne, so sorgt er für Ausrichtung. Leider aber auch für die alte Kampfstimmung à la „Der muss weg“. Natürlich muss er das, aber die alten Methoden, gewaltsamen Methoden haben noch nie richtig funktioniert, sondern mündeten meistens in eine Aggressionsspirale. Das käme ihm gerade recht.

Mit der ökoligenta gehen wir einen ganz anderen Weg. Einen NEUEN WEG. Das Logo drückt ganz gut aus, wie die Richtung vielleicht aussehen kann: Schwarz und Weiß küssen sich im Grün.

Und die Preise konnten wir so gestalten, das auch die ganz Kleinen dabei sein können. Dafür Dank an zwei ungewöhnliche Unterstützter: Kai Bachmann, den Bürgermeister von Trendelburg sowie den Kasseler Landrat Uwe Schmidt.

Und hier geht’s zur Messe!

Veganer Wein, eine runde Sache

Tendenziell ist Wein ja vegetarisch, doch vegan ist er meistens nicht.

(efp).- Veganer Wein trägt zu weniger Tierleid bei – klar. Nur: „Wein wird doch aus Trauben gemacht, etwas Veganeres gibt’s doch gar nicht!“ Wer so denkt, verwechselt Wein mit trübem Traubensaft. Wein ist aber das Ergebnis von Kellereitechnik; und die greift seit eh und je auf alle Hilfsmittel zu, um einen gefälligen Geschmack zu erzeugen, solange diese billig und legal sind.

Veganer Wein kontra Schweineschwarte

Gegen aromatische Unsauberkeiten wie Böckser wird Wein beispielsweise mit winzigen Mengen Silber oder Kupfer versetzt, oder gegen Essigstich mit Ionenaustauschern. Vor allem aber wird Wein geschönt, damit er leuchtend, transparent, fehlerfrei und mit mäßigem Gerbstoffgehalt im Glas steht. Genutzt werden dafür oft Dinge, an die der Weintrinker ungern denkt: Knochenkohle, getrocknete Fischblasen, Gelatine aus Schweineschwarten sowie Rinderknochen, -knorpeln und -sehnen, Lysozym und Kasein aus Milch oder Albumin aus Eiern oder Molke. Sie alle müssen nicht sein, es gibt auch andere, kompliziertere (z.B. Kälte und Wärme), nichttierische und vor allem handwerklich ungewohnte Schönungsmittel; denn dass Menschen kein totes Tier in der Produktionskette haben wollen, ist eine neue Erscheinung, der Weinausbau hingegen altes Handwerk.

Fischeiweiß muss nicht deklariert werden

Die Allergie auslösenden Eiweiße Lysozym, Albumin und Casein müssen ab einem Grenzwert von 0,25 mg/l deklariert werden (allerdings nur als kaum verständliches Piktogramm). Dagegen müssen Fischgelatine und Hausenblase (die Fischblase) nicht offengelegt werden.

Ganz konsequent vegan ist der Wein freilich nur, wenn auch das Etikett nicht mit Knochenleim aufgepappt wurde.

Wie sehr veganer Wein im Trend liegt, beweist die Tatsache, dass auch Aldi ihn anbietet, sogar in Bio-Qualität. Eine gute Auswahl von veganen Bioweinen findet man auf folgenden Seiten

Übrigens gibt es viele Winzer, die aus Qualitätsgründen ihren Wein vegan herstellen, ohne dies auszuzeichnen. Ein einheitliches Logo dafür gibt es nicht.

Quellen: bioPress Nr.89; Brockhaus Wein; deutscheweine.de; vebu.de; vegane-inspiration.com; wein.com; weinbilly.de; youwine.desowie die genannten Anbieter.

Foodwatch hat Recht: Kranke tote Tiere sind kein Zufall

(efp).- Foodwatch prangert auch Bio-Lebensmittel an. Da lachen sich die einen offen ins Fäustchen (und kommen sich dabei schlau vor), und die anderen seufzen: „Oh mein Gott!“ (und fühlen sich als die Betrogenen).

Was ist geschehen?

Foodwatch schockierte die Öffentlichkeit

Am 22. September 2016 schockierte foodwatch die Öffentlichkeit mit der Nachricht „Jedes vierte Tierprodukt stammt von einem kranken Tier“. Man kaufe „Milch von Kühen mit entzündeten Eutern und Eier von Hühnern mit Knochenbrüchen“, nicht wenig davon als „bio“ deklariert. Dass es sich dabei um Schätzungen handelt, sagt foodwatch selbst. Für exakte Zahlen sei die Datenlage zu uneinheitlich. Gerade deshalb wird sich nun die Agrarindustrie auf die Meldung stürzen und an den Daten herumkritteln, um von der eigentlichen Wahrheit abzulenken.

3 Lügen am Stück

Ha, Wahrheit, ein hehrer Begriff, und keiner, den ich gerne in den Mund nehme. Aber hier scheint er mir nötig. Unlängst veröffentlichte der Veterinärmediziner und foodwatch-Kampagnenleiter Matthias Wolfschmidt ein Buch mit dem Titel „Das Schweinesystem“. Man ahnt, was damit gemeint ist: Die industrielle Tierhaltung generell. Sie ist gleich dreifach schlecht: Sie quält die Tiere (deren Qual wir uns dann einverleiben; Beispiel Hühner: regelmäßige Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Knochenbrüche, Eileiterentzündungen, Wurmbefall, Fußballenveränderungen), sie treibt kleinere Bauern in den Ruin (und sorgt damit für einen Teufelskreis hin zu einer immer herzloseren Tierhaltung) und betrügt den Verbraucher, indem sie vorspiegelt, man habe tatsächlich noch Reste von Gewissen an Bord und würde „Qualität“ produzieren.

Tiere oder Autoreifen? Egal.

Eine Stufe tiefer betrachtet: Solange unser System – trotz Tierschutzgesetz – Tiere als Sachen behandelt und juristisch weitestgehend gleichstellt mit Autoreifen, Laborgeräten oder Kühlschränken, bleibt die Lebensfeindlichkeit systemimmanent. Ein Landwirt produzieren Kartoffeln, Schweine oder Hühner. Für sie ist es kein Unterschied. Was hinten herauskommen muss, ist Gewinn. Ansonsten kann er seinen Betrieb („Hof“ sagt man schon lange nicht mehr) dichtmachen. Aber: Tiere, die halbwegs artgerecht gehalten werden, sind unrentabel. Nachdem auch Bio-Produkte längst in den Schraubstock der Nachfrage-Angebots-Logik eingespannt sind, unterliegen deren Produzenten – mit ein wenig zeitlicher Verzögerung – letztlich den selben Marktmechanismen.

Was also können wir tun?

Dreierlei fällt mir dazu ein:

  • Auf tierische Produkte verzichten. Ja, stimmt: das heißt im Endeffekt: vegan leben.
  • Wenn man aber doch hin und wieder seiner Fleischeslust nicht widerstehen kann, dann sollte man GENAU wissen, woher das tote Tier kommt und wie es vor seiner Schlachtung leben durfte. Bio allein – schade – genügt nicht mehr.
  • Foodwatch unterstützen

Und ganz generell: Alle die Firmen unterstützen, die weltfreundliche Alternativen zum herkömmlichen Massenmarkt anbieten, die kleinen, die regionalen, die sozialen, die gesunden, die fairen. Öffentlichkeitsarbeit ausschließlich für solche Firmen zu machen, ist Ziel und Zweck von ecoFAIRpr.

Grillkohle: keine Regenwälder verheizen

(efp).- Mit Grillkohle verheizen wir ganze Regenwälder. Wie der Bund Naturschutz berichtet, kamen von 230.000 Tonnen, die wir im Jahr 2015 in die Luft gejagt haben, 34.000 Tonnen aus Paraquay und 32.000 Tonnen aus Nigeria. Gut 25 Prozent also aus Urwäldern.

Was können wir tun, damit das nicht passiert?

  • Die Firma proFagus stellt nur Grillkohle aus heimischen Hölzern her.
  • Auf das Herkunftsland des Holzes achten. Ist das nicht genau angegeben, ist mit Regenwaldholz zu rechnen. Die Aufschrift „kein Tropenholz“ ist NICHT geschützt. Das kann jeder drauf schreiben. Auch andere derartige Aufschriften sind belanglos.
  • Die Grillkohle sollte mit dem FSC- oder Naturlandsiegel zertifiziert sein.

Trägt der Kohlensack das DIN-Prüfzeichen, enthält er kein Pech, Koks, Erdöl- oder Kunststoffprodukte, die ansonsten auch unter die Kohle gemischt sein können.

Wow, das gibt es: einen Verband nachhaltiger Unternehmen

(efp).- Das deutsche Sprichwort „Das ist ja dasselbe in Grün“ will sagen: Es ist egal, ob man sich dafür oder dafür entscheidet. Beim „dasselbe in grün e.V.“ ist’s genau anders herum. Der Name des Verbandes spielt mit dem Sprichwort und deutet es in der Weise um, dass es zu jedem Unternehmenstyp (hoffentlich, vielleicht ja bald) eine ökologische bzw. nachhaltige Alternative gibt. Dasselbe, aber eben in „Grün“ – besser für die Welt und damit für uns selbst.

Das modern gestaltete Portal dient als Wegweiser und Informationsplattform für nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Konsum. Interessierte Verbraucher finden hier Informationen über die Leistungen und die Kontaktdaten der nachhaltigen Unternehmen und können somit alternative Kauf- und Konsumentscheidungen treffen, die den geringstmöglichen negativen Einfluss auf nachfolgende Generationen haben. Darüber hinaus bietet die Homepage des Verbandes die Möglichkeit, sich anhand einer ausführlichen Linkliste zu den Themen Nachhaltigkeit und nachhaltiger Konsum zu informieren.

Unternehmen bei dasselbe in grün e.V. sind:
– 100% bio-zertifiziert (z.B. Restaurants) oder
– mind. 2/3 der Waren und Dienstleistungen sind nachhaltig (z.B. Möbelhaus) oder
– sie sind zumindest „best-in-class“, „so dass wir sie als Branchen-Beste empfehlen können.

Derzeit (Februar 2016) zählen rund 100 Unternehmen zum „dasselbe in grün e.V.“ Manche davon haben wiederum zahlreiche Mitglieder, zu den Biohotels beispielsweise zählen 89 Häuser. VerbraucherInnen können damit rechnen, in vielen Branchen, z.B. Bauen, Bildung & Forschung, Dienstleistungen, Essen & Trinken, Möbel & Einrichtungen, Mobilität & Reisen, Mode, Online-Shops, Wellness & Kosmetik die grünen Pioniere aus ganz Deutschland zu finden.

Was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat?

Das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung hat im Auftrag des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums eine hochinteressante Broschüre erarbeitet:
„NACHHALTIGE ERNÄHRUNG -Was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat“.

Natürlich wissen wir doch ALLE (oder etwa nicht?), dass unsere Art des Konsumierens die Welt immer noch ein Stück mehr auf den Abgrund zutreibt.  Aber so anschaulich, übersichtlich und verständlich dargestellt wird das nicht immer. Und essen müssen wir ja alle. Nur eben: wie?

Ihr findet die Broschüre HIER zum Herunterladen.

BIOFACH: Interview mit Messe-Chefin Danila Brunner

Die BIOFACH ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel. Mit anderen Worten: Es gibt weltweit keine bedeutendere Messe dieses Themas.
Auf der BioFach2016 hatten wir Danila Brunner zum Interview. Das Gespräch mit ihr ist interessant für alle, die sich für die professionelle Seite der Bio-Bewegung interessieren. Danila Brunner ist seit Juli 2015 Abteilungsleiterin BIOFACH und VIVANESS bei der NürnbergMesse.

Hier einige Auszüge aus dem Interview auf der BIOFACH 2016:

„… Ich erfahre viel Neues und ich kann jetzt in meinem Beruf aktiv einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es der (Um-)Welt vielleicht wieder ein Stück besser geht, und wir sie erhalten, wenn wir über Ressourcen reden, nicht nur für die nächste Generation, sondern für noch ganz viele.“

“ … Mit Augenzwinkern formuliert: Man guckt abends nicht auf die Uhr und denkt, wann ist Feierabend, sondern man guckt irgendwann im Sommer aus dem Fenster und denkt: Oh, ist ja dunkel, Moment mal, Sommer … und man ärgert sich nicht, weil die Arbeit so viel Freude macht!“

„… 2015 hat der deutsche Bio-Markt ein zweistelliges Umsatzwachstum im deutschen Handel erzielt auf sage und schreibe jetzt 8,6 Milliarden Euro.“

„… Natürlich gibt es auch in anderen Ländern hochdynamische Bio-Märkte mit ihren jeweiligen nationalen Plattformen. Grundsätzlich begrüßen wir alle Initiativen, die die Bio-Branche international voranbringen.“

„… Leitfunktion entsteht zum Beispiel durch den Mehrwert, den die Branche in BIOFACH und VIVANESS sieht. Der wiederum ergibt sich unter anderem durch den Kongress. Dieser, wie die Messe als Ganzes, erfüllt einen Nutzen auf vielerlei Ebenen, politisch und gesellschaftlich. Warum betone ich das? Weil zahlreiche engagierte Organisationen sagen: Hier ist alles konzentriert, hier ist alles beieinander, wenn ich länderübergreifend aktiv werden will. Und darüber hinaus treffe ich hier die Branche in allen Facetten: Verbände, Rohstoffanbieter, Produzenten, Verarbeiter, Händler …“

„… Die politische Bedeutung soll weiter gestärkt werden und Themen aus Wissenschaft und Forschung sowie Fragen der nächsten Generation und des Nachwuchses werden sicherlich eine wichtige Rolle spielen.“

Das vollständige Interview gibt es HIER.

Einen Messerundgang findet Ihr HIER.

Spiritualität ohne Verantwortung?

(efp).- Die Welt geht vor die Hunde. Dem Satz würden mittlerweile eine Menge Menschen zustimmen. Nur: Sie geht MIT UNS vor die Hunde. Genauer: ohne dass wir wirklich viel dagegen unternehmen.

Genugtuung für 1 Euro

Dafür gibt es Gründe, die ein ganzes Buch füllen könnten. Und dieser Blog widmet sich auch diesem Thema von allerlei Seiten. Ein Grund erscheint mir der zu sein, dass das kapitalistische System (und sein scheinbar so freundliches Gesicht: die Konsumgesellschaft) uns unserer Wurzeln beraubt hat. Die Grundprinzipien des Christentums wurden radikal ausgemerzt (oder wer könnte guten Gewissens bei Aldi eine Banane kaufen, wenn er das Prinzip der Nächstenliebe TATSÄCHLICH ernst nähme!) und von philosophischer Seite durch Freiheit und Selbstbestimmung ersetzt. Nur: Wer lebt sie denn? Ansonsten bleibt das banale „Haste was, dann biste was“. Und wer nichts hat, holt sich seine Genugtuung aus dem 1-Euro-Shop.

So viele Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin, spüren diese verdammte ethische Wurzellosigkeit, diese Beliebigkeit. Und gelegentlich sind mir auch Menschen über den Weg gelaufen, deren Suche bei der AfD und Konsorten geendet hat. Das macht mich eher traurig als wütend.

Tiefe Spiritualität

Um Orientierung zu finden, um ethischen Boden unter den Füßen zu bekommen, wenden wir uns oft spirituellen Themen zu – nicht selten dann aber auch wieder konsumistisch von Workshop zu Workshop pilgernd. Aber immerhin, die Richtung hin zu den seelischen Wurzeln stimmt. Je nach persönlichem Umfeld, Biographie und Sehnsuchtsströmungen landet die eine oder andere bei einem Guru, verwechselt Asanas mit Yoga, lässt channeln oder tut’s gar selbst. Noch einmal: die Richtung stimmt. Nur gälte es jetzt weiterzugehen, weiterzuforschen, tiefer zu spüren, eventuell bis zur Quelle, aus der alles Leben steigt. Dann aber gibt es kein Zurück mehr, keine Furcht vor Verantwortung. Tiefe Spiritualität und Verantwortung für die Welt lassen sich meines Erachtens nicht trennen. Die Konsequenz ist dann deep ecology: Tiefenökologie.

Esoterische versus politische Spiritualität

Eine etwas mildere Sicht der Dinge erlaubt der Ökumenischen Ratschlag „Nachhaltigkeit und Spiritualität“. In seinem Protokoll vom 30.4.2016 findet sich diese Differenzierung:

Das kapitalistische Mantra „Immer mehr !“, also mehr Wachstum, höhere Renditen, klingt hohl; es reißt hierzulande so gut wie niemand mehr vom Hocker, sondern wirkt bedrohlich. Viele Menschen ziehen sich ins Private zurück und pflegen da ihr individuelles

Wohlergehen. Viele versprechen sich von einer esoterischen Spiritualität einen Sinn

im Leben. Sie setzen auf innere Werte und entdecken für sich die Wahrheiten, die in alten Mythen verborgen sind. Das ist eine Spielart von Spiritualität, die sehr häufig die Mitwelt ihrem Schicksal überlässt und eben keine Verantwortung für das Gemeinwesen und das Gemeinwohl über nimmt.

Wir müssen also unterscheiden zwischen einer individualistischen, meist esoterisch geprägten Spiritualität und einer gemeinschaftsbezogenen, also politischen Spiritualität. Sie muss sich mit dem, was die Gemeinschaft zusammenhält, also auch mit Grundwerten und Leitbildern auseinander setzen. Ein wesentliches Merkmal der politischen Spiritualität ist die Übernahme von Verantwortung. Damit hat sie eine starke ethische Komponente. Sie bleibt nicht im Beobachten und Analysieren stecken; sie wird praktisch im Einsatz vor allem für die Benachteiligten in der Gesellschaft. In neueren Papieren und Erklärungen aus der Ökumene wird diese gemeinschaftsbezogene Spiritualität “transformative Spiritualität“ genannt. (Oekumenischer Ratschlag, 30.04.2016 – Frankfurt am Main – Haus am Dom, „Nachhaltigkeit und Spiritualität“, Protokoll)

Zwei Fragen

So bleibt letztlich eine Meditation darüber: Geht das – Verantwortung ohne Spiritualität?

Aber auch: Welchen Wert hat Spiritualität ohne Verantwortung?

Saatgut kann zu Saatschlecht werden

Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert die Welt

(efp).- Ohne Pflanzensamen keine Pflanzen, und ohne Pflanzen keine Nahrung für Tier und Mensch. Banale Wahrheiten. Doch sobald man begreift, dass so gut wie alle Samen unserer Gärtner und Bauern aus der Saatzucht stammen, versteht man auch: Alles, was wir essen, hängt von der Saatzuchtindustrie ab. Noch klarer fasste der frühere US-Außenminister Henry Kissinger diesen Zusammenhang so zusammen: „Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt.“

Wegwerf-Saatgut statt samenfestem Saatgut

Nun, fünf Firmen kontrollieren weltweit 95 Prozent der Saatgutproduktion. So wandelt sich Saatgut zu Saatschlecht. Mit anderen Worten: Fünf Firmen entscheiden, was wir zu essen bekommen. Sie heißen Monsanto, Syngenta, Bayer, Dow und BASF. Nein, keine Sorge, sie lassen uns nicht verhungern. Das ist nicht das Problem, denn davon hätten sie nichts. Das Problem liegt ganz woanders.

Zunächst einmal gibt es da ein moralisches Problem. Der Großteil der Landwirte ist von diesen Firmen abhängig; sie müssen das Saatgut jedes Jahr neu kaufen und können keines selbst gewinnen. Was Jahrmillionen selbstverständlich war: Samen keimen, Pflanzen wachsen, fruchten, entwickeln Samen und keimen nächstes Jahr wieder neu, hat die Saatgut-Großindustrie systematisch zerstört. Durch konzentrierte Inzucht produziert sie Einmalsamen bzw. Hybridsamen, zu kaufen in jedem Gartenmarkt der Republik. Freilich entwickeln auch daraus wachsende Pflanzen Blüten und Samen, doch die Pflanzen aus diesen Zweitsamen wachsen entweder auf unkalkulierbare Weise, schlecht oder gar nicht. Für die Landwirtschaft ist von Hybridpflanzen gewonnenes Saatgut in der Regel unbrauchbar, es ist nicht mehr „samenfest“, Wegwerfsaatgut sozusagen. Auch Biosamen dürfen übrigens Hybridsamen sein.

Eiserne Saatgut-Klammer für die Landwirte

Das ist schlimm genug. Dazu kommt, dass diesen Industriesamen gentechnisch Eigenschaften beigebracht wurden, die die Bauern dazu zwingen, Kunstdünger, Herbizide und Pestizide einzusetzen, selbstverständlich solche, die ebenfalls von den Konzernen angeboten werden. Hinzu kommt, dass bei patentiertem Saatgut (kaum zu glauben, aber das gibt es längst) auch die Ernteprodukte patentiert sind. Auf alles hat der Patentinhaber seine Hand, und für alles muss der Landwirt zahlen. Wen das noch immer nicht stört, der sollte sich klar machen, dass die Menschheit mit zwei gegenläufigen Kurven kämpft. Auf der einen Seite: Abnehmende Bodenqualität durch industrielle Landwirtschaft – und damit bei gleichem Einsatz immer schlechtere Ernten – und auf der anderen Seite eine wachsende Weltbevölkerung. Greenpeace spricht nicht umsonst von einer Gen-Diktatur der Saatgutindustrie. Sofern wir nicht gegensteuern, wird sich ihre eines Tages alles zivilisierte Leben auf diesem Planeten beugen müssen.

Saatgut für aufgeklärte Verbraucher

Was können wir als Verbraucher tun? Der erste Schritt besteht darin, sich diese Zusammenhänge klar zu machen und sie anderen zu erklären. Im zweiten Schritt sollten wir nur noch Saatgut kaufen, das samenfest ist, mit dem sich also neue Samen erzeugen lassen. Laut Saatgutverkehrsgesetz müssen Tüten mit Hybridsamen den Aufdruck F1 tragen. Für wiedervermehrbares Saatgut googelt man am besten mit den Worten „samenfest“ plus „Saatgut“. Erfahren und seit vielen Jahren auf dem Markt sind die Bingenheimer Saatgut AG sowie der Dreschflegel Saatgutversand. Einen soliden Überblick bietet die „Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit“ (http://www.gentechnikfreie-saat.org/).